Eine Absage an die nötige Energiewende

Kommentar vom 20.09.2017

Schwarz-gelber Windenergie-Erlass für NRW

Die neue schwarz-gelbe NRW-Landesregierung zeigt mit dem Entwurf für den neuen Windenergie-Erlass, wohin die Reise gehen soll: rückwärts. Falls er so Anfang 2018 in Kraft tritt, bedeutet dies das Aus für geschätzt 90% der geplanten Windenergieprojekte. Kern des Erlasses ist, dass künftig ein Mindestabstand von 1.500 Meter zur Bebauung oder anderen geschützten Bereichen eizuhalten ist.

Für Bad Salzuflen könnten wir die bescheidenen Pläne für 3, 4 oder 5 neue Windanlagen begraben. Denn bisher genügte ein Abstand je nach den örtlichen Gegebenheiten 450 bis 600 Meter.

In Bayern kann man bereits sehen, dass der Ausbau der Windenergie de facto beendet wird. Dort gilt die Regel 10H, das bedeutet, der Mindestabstand muss die zehnfache Höhe der Windkraftanlage betragen. Neue leistungsstärkere Anlagen haben eine Höhe von 180 bis 200 Meter. Sie leisten das 4- bis 7-fache an Energie. Aufgrund neuerer Technik und erheblich geringerer Umdrehungszahl (10 bis 20 statt 50 bis 60 pro Minute) sind sie bedeutend geräuschärmer. Die Stromerzeugung aus Windenergie ist neben der Wasserkraft die preiswerteste und umweltfreundlichste Alternative zu Kohle und Atom.

Warum ist diese schwarz-gelbe Politik rückschrittlich und unverantwortlich – nicht nur aus Sicht der Grünen?

Der Klimawandel ist durch die Treibhausgase (CO2, Methan und andere) ganz überwiegend vom Menschen verursacht. Werden diese Emissionen nicht drastisch in den nächsten 2 bis 3 Jahrzehnten zurückgefahren, wird sich der Planet weiter aufheizen. Die Folgen sind heute schon in Ansätzen zu spüren, teilweise mit katastrophalen Auswirkungen. Die absehbaren Folgen werden unbeherrschbar und unbezahlbar werden. Wann, wo und in welchem Ausmaß, wissen wir nicht.

Wie wir, also die Menschheit, mit den begrenzten Schätzen von Natur und Umwelt umgehen, entscheidet darüber, ob und wie wir und unseren Nachkommen auf diesem Planeten in naher Zukunft leben können. Im Alltag und im aktuellen Wahlkampf scheint dies keine Rolle zu spielen. Außer den Grünen hat das offenbar keine Partei ernsthaft auf der Agenda. Stattdessen scheint es bedeutender zu sein, dem Verbrennungsmotor, speziell dem Diesel noch eine längere Existenz zu sichern. Gegebenenfalls müsse man eben die Grenzwerte lockern, meint der Spitzenkandidat der Liberalen.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei die Frage der Abstandsgebote eine Kleinigkeit. Viele werden den Erlass begrüßen, weil die Windkraftanlagen „die Landschaft verschandeln“ und angeblich Rotmilane und Fledermäuse bedrohen.

Die Frage ist, wie ernst wir die Herausforderungen des Klimawandels nehmen. Die Art der Energieerzeugung (Strom und Wärme) ist nur ein Teil des Ganzen, aber ein wichtiger. Und: Wir können handeln, jetzt. Jede Chance, die verpasst wird, die Energiewende umzusetzen, wird uns teuer zu stehen kommen – in vieler Hinsicht.

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