Sind Windkraftanlagen wirtschaftlich?

Kommentar vom 27.01.2017

Zur Wirtschaftlichkeit der Energieerzeugung

Windkraftanlagen wurden schon immer kontrovers diskutiert. Wie bei jeder Art der Energieerzeugung haben auch „Windräder“ Vor- und Nachteile. Nachdem die modernen Anlagen seit einigen Jahren im Betrieb sind und belastbare Erfahrungswerte bekannt sind, wird die Wirtschaftlichkeit und auch das Gesamtkonzept „Windkraft“ teils sehr negativ kommuniziert. Aufgrund der sehr gut kalkulierbaren Kostentreiber kann eine präzise Gewinn- und Verlustrechnung über die Laufzeit von 20 Jahren erfolgen. Nicht selten wird hier neben anderen Faktoren von der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit, die mindestens 6 m/s betragen muss, um eine Wirtschaftlichkeit zu erlangen, gesprochen. Es gibt Beispiele, besonders in Mittel- und Süddeutschland, die eine Unterdeckung aufweisen.

Anstatt über die Nachteile von Lärm, der Zerstörung des Landschaftsbildes und der Rentabilität zu diskutieren und sich darauf zu versteifen, sollte man die Energieerzeugung ganzheitlich betrachten. Wissenschaftler (beispielsweise Sarah Widder für Atomkraft) haben schon lange durch Studien bewiesen, dass Energieerzeugung durch fossile Verbrennung und Kernspaltung in der Wirtschaftlichkeit deutlich schlechter ist als durch erneuerbare Energien. Bei der Kernenergie sind es die Kosten für die Lagerung des Atommülls, bei den Kohlekraftwerken die Luftverschmutzung, die in der Rentabilität mit gutem Grund nicht eingepreist sind (wie auch)! Bei den Windkraftanlagen kann am Tag der Inbetriebnahme schon mit hoher Sicherheit der Kostenfaktor für den Abriss berechnet werden. Das ist bei Kernkraftanlagen mitnichten so.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zusammen mit der Umlage für die „höheren“ Kosten bei der Abnahme des Stroms aus erneuerbarer Energien ist ein Paradebeispiel, wenn es darum geht, Strom aus Windkraft als „viel zu teuer“ darzustellen. Anstatt den Preis für Strom aus Kern- und Kohlekraftwerken zu erhöhen, da hier offensichtlich externe Kosten existieren, wird dem Verbraucher suggeriert, dass der Atomstrom günstig ist. Weiterhin gibt es eine Sonderregelungen für stromintensive Unternehmen, die dann nur einen geringen Teil dieser Umlage zahlen. Auch hier muss abgewägt werden, was fair ist und wo der Preisaufschlag des Produktes vielleicht einfach weitergegeben werden muss, anstatt die Subventionen zu genießen.

Ferner haben Windkraftanlagen einen höheren Wirkungsgrad, da der Strom nah am Verbraucher eingespeist wird und nicht erst duzende Kilometer vom zentralen Kraftwerk zum Verbraucher gelangen muss, da hier erhebliche Transportverluste entstehen (und hier scheint sich keiner über die Zerstörung des Landschaftsbildes zu beschweren). Im Umkehrschluss heißt das aber auch nicht, dass wir in der Zukunft nur noch ganz viele Windkraftanlagen haben, denn Wissenschaft und Forschung sind dabei, Alternativen zu Solar- und Windkraft zu erforschen, die noch weniger Nachteile haben. Doch bis das soweit fertig ist, sollten wir weniger um die vermeintliche Wirtschaftlichkeit von Energie diskutieren, als darüber nachzudenken, wie wir unseren Energiebedarf verringern können. Denn dann bräuchten wir erst gar nicht soviel zu erzeugen.

Sprecher des Ortsverbandes

2 Kommentare

  1. Tobias

    Ich gehe aber nicht davon aus dass der Energiebedarf sinkt, sondern eher steigt, gerade im Anbetracht der „Autoenergiewende“.

    • Sebastian Klatte

      Das ist nicht ganz richtig, weil hier eine Energieverschiebung stattfindet, bei der fossile Brennstoffe (wie Benzin) ausgetauscht werden. Gerade der Bereich E-Mobilität lässt sich sehr gut mit erneuerbaren Energien verknüpfen (Stichwort: Smart Grids).

      Auf der anderen Seite haben wir immer mehr elektrische Geräte im Haushalt. Manche, wie eine Lüftungsanlage verbrauchen zwar Strom, sorgen aber dafür, dass weniger geheizt werden muss, wodurch im Endeffekt wieder Energie gespart wird. Altgeräte wir auch Neugeräte, die viel Strom verbrauchen sollten durch den Gesetzgeber beschränkt werden (z.B. ein gestaffeltes Auslaufmodell wie bei den Glühlampen). Auch die Standby-Richtlinie war ein guter Anfang. Und auch im Bereich der Energieeffizienzklasse lässt sich noch viel machen. Wer kennt den Unterschied zwischen A++ und A+++?

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